Ein Meer der Gefühle – Projektwoche „Hospiz macht Schule" in Alstädten 

Ein Meer der Gefühle Seit vielen Jahren begleiten ehrenamtliche Mitarbeiter des Hospizvereins Hürth e.V. Sterbende und Trauernde in Familien, die sich Unterstützung wünschen.

Der Hospizverein Hürth e.V. hat einige seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter über die Bundes Hospiz-Akademie gGmbH für das Projekt „Hospiz macht Schule" ausbilden lassen. „Hospiz macht Schule" wurde vom Bundesministerium für Familie gefördert und im Jahr 2008 mit dem Pulsuspreis ausgezeichnet.

 

Ziel dieses Projekts ist es, die Kinder mit dem Thema Tod und Sterben nicht allein zu lassen. Denn leider lernen Kinder den Tod oftmals nur in Verbindung mit Gewalt in den Medien kennen. In einer Woche Projektunterricht sollen sie in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und nach Möglichkeit auch Antworten erhalten.  Bei unserer Arbeit haben wir erlebt, dass die meisten Kinder zwischen 6 und 12 Jahren bereits Erfahrungen mit dem Tod gemacht haben und in Krisenzeiten nicht geschont werden möchten.

Vor Beginn der Woche ist bei den Eltern viel Skepsis zu spüren. Die Fragen: „Ob mein Kind das verkraften kann?" und „ Ist das Thema nicht viel zu schwer?", haben wir oft gehört.

Bereits zum 8. Mal hat der Hospizverein Hürth e.V. inzwischen das Projekt „Hospiz macht Schule" durchgeführt. Vom 19. bis 23. Mai 2014 sind sechs ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Gast in der Carl-Orff-GGS in Hürth-Alstädten. Die 24 Jungen und Mädchen Frosch-Klasse 4b der wurden von ihrer Klassenlehrerin vorher in 5 Gruppen aufgeteilt, die nun von je einem Hospizmitarbeiter angeleitet werden.

Jeder der 5 Projekttage wird mit einem gemeinsamen Ritual begonnen und abgeschlossen. Dazu singen alle gemeinsam das Lied „Der Himmel geht über allen auf". Im Kreis wird dabei ein aus vielen Teilen zusammengeknüpftes Band herumgeführt. Jeder der fünf Tage dieser Projektwoche ist einem Thema gewidmet.

Als Einstieg in die Woche geht es am Montag um die Themen Werden und Vergehen. Alles beginnt mit einer Geschichte, aus der wir lernen, dass es neben vielen schönen auch einige nicht so schöne Dinge im Leben gibt. Schließlich mag ja auch nicht jeder Fisch essen oder Schulaufgaben machen. Beschriftete helle und dunkle Wolken veranschaulichen, dass zum Leben eben auch die nicht so schönen Dinge dazugehören.

 

Dann wird es im Klassen Klassenzimmer mucksmäuschenstill. Zu leiser Musik verwandeln sich die Kinder während einer Meditation in ihren Gedanken in Raupen und entwickeln sich langsam zu Schmetterlingen. Im Anschluss können die Kinder die erlebten Bilder malen. Dabei entstehen wunderschöne Falter und ein toller Comic-Strip.

Dass auch wir Menschen uns verändern, sehen dann alle an den mitgebrachten Baby- und Kinderfotos, die gruppenweise auf Plakate geklebt werden. Besonders interessant sind natürlich auch die Schulkinderfotos der Gruppenleiter und Lehrer. Wir sehen, dass wir alle uns verändern und diese Veränderung kann man nicht rückgängig machen.

 

 

 

 

 

Der zweite Tag ist den Themen Krankheit und Leid gewidmet. Die Kinder erzählen, welche Krankheiten sie schon einmal hatten und was ihnen in dieser Zeit gut getan hat. In einer Pantomime stellen sie dann verschiedene Krankheiten dar. ((Bild)) Eine Ärztin besucht die Klasse, und die Kinder können sie alles fragen. Sie beantwortet alle Fragen wunderbar kindgerecht. Die Kinder interessieren sich besonders für die verschiedenen Krebserkrankungen und für die Folgen des Rauchens. Und immer wieder hören wir in den Kleingruppen die Frage: „Wann reden wir denn endlich über den Tod?".

Was kann ich tun, wenn ein Mensch nicht mehr gesund werden kann? Mit dieser Frage beginnen wir den dritten Projekttag. Dazu betrachten die Kinder zwei sehr unterschiedliche Bilder, auf denen zu sehen ist, wie ein Mädchen seine erst gesunde, später dann sterbenskranke Oma besucht. Danach wird ein Abschnitt aus dem Buch „Hat Opa einen Anzug an?" vorgelesen, in dem es um eine Beerdigung aus der Sicht eines kleinen Jungen geht.

Dann geht es mit dem ersten Teil aus dem Film „Willi will's wissen – Wie ist das mit dem Tod" ans Eingemachte: Sterben und Tod sind heute unsere Themen. In kurzen Abschnitten wird der Film angeschaut und danach wird über das Gesehene gesprochen. Der Film vermittelt sachliche Informationen über die Arbeit eines Bestatters auf dem Friedhof und den Aufbau eines Sarges. Auf ganz einfühlsame Weise spielt auch das Thema Abschiednehmen eine große Rolle.

Und was kommt nach dem Tod? Davon hat jeder so seine eigene Vorstellung, und die halten die Kinder wieder in Bildern fest: ob als Engel auf einer Wolke oder zusammen mit allen schönen Dingen des Lebens, wie z. B. den Lieblingsfledermäusen oder dem Computer. Uns alle tröstet die Hoffnung, dass nach dem Tod etwas Schönes auf uns wartet.

Der vorletzte Tag steht unter dem Titel „Vom Traurigsein". Wie unterschiedlich Menschen trauern erleben wir im 2. Teil des Films. Was das für Gefühle sind, haben die Kinder mit Fingerfarben wunderbar ausdruckstark auf Papier ausgedrückt. Ein Junge malt ein „Meer der Gefühle", in das viele unterschiedliche Gefühle in Form von Regentropfen hinein tropfen. Auf vielen Bildern mischt sich in die dunklen Farben der Traurigkeit mindestens ein heller Fleck von Hoffnung und Freude.

Dass Trauernde einen Halt benötigen, haben wir danach mit dem Umtopfen junger Bohnenranken veranschaulicht.

 

Freitag ist unser letzter Tag. „Ist es denn wirklich heute schon zu Ende?", fragt ein Mädchen. Wir beschließen die Woche mit dem Thema Trost und Trösten. Was uns tröstet ist ja manchmal sehr verschieden von dem, wie wir jemanden trösten können. Eines ist allen Kinder gemeinsam: Mama tröstet am allerbesten!

Ein Trostbaum aus Pappe mit vielen Blättern, auf denen die Kinder Ideen sammeln, wie sie traurige Mitschüler trösten können, bleibt in der Klasse hängen. Mit einem fröhlichen Tanz lassen wir zum Abschluss alles Schwere hinter uns.

 

Danach sind Eltern, Verwandte und Freunde eingeladen, um sich die vielen Ergebnisse unserer Projektwoche und auch den Film „Willi will's wissen – Wie ist das mit dem Tod" in voller Länge anzuschauen.

Die anfänglichen Bedenken der Eltern sind nun zerstreut, denn die Kinder sind ganz begeistert: „So viele schöne Sachen machen wir sonst nicht in der Schule", sagen viele. „Wann kommt ihr denn wieder?", fragt ein Mädchen und ihre Freundin sagt dann: „Schade, dass es schon vorbei ist." Und auch die Lehrerinnen sind von unserem Projekt überzeugt: „So abwechslungsreich und einfühlsam hätten wir das im regulären Unterricht nicht hinbekommen", sagt die Klassenlehrerin.

Ja, es war wieder einmal eine spannende, bunte und fröhliche Woche, in der auch wir Erwachsenen einiges von den Kindern lernen konnten. Und es war ganz bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir an der Carl-Orff-Schule zu Gast sein durften. Bis zum nächsten Mal also, wir freuen uns schon auf euch!