Post on 22 Juli 2008

Zuwendung durch Wohnlichkeit

Von ULRIKE WEINERT, 22.07.08

„Wir haben nicht geknausert“, stellt Ignaz Pley, zweiter Vorsitzender von Hospiz Hürth, fest. Dem Anliegen, stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, hat man Rechnung getragen.

HÜRTH. „Wir haben nicht geknausert“, stellt Ignaz Pley, zweiter Vorsitzender von Hospiz Hürth, fest. Dem Anliegen, stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, hat Hospiz Hürth an der Weierstraße 41 A, mitten im Geschäftsviertel von Alt-Hürth, mit der Einrichtung eines neuen einladenden Büro nun Rechnung getragen.

Auf eine Einweihungsfeier hat der Verein, der sich um die Begleitung von schwer kranken und sterbenden Menschen und deren Angehörige kümmert, im Jahr seines zehnjährigen Bestehens zwar verzichtet. Aber zur Kirmes in Alt-Hürth ließ Hospiz Hürth bereits in die neuen Räume blicken, in denen sich zuvor ein Teeladen befand.

Einige tausend Euro hat der Verein für die Renovierung aufgebracht. Heizung und Wasseranschluss mussten erneuert werden. Die alten Tapeten wurden entfernt und die Wände in Weiß und einem warmen Rot gestrichen. Ein apricotfarbener Teppichboden trägt zum Eindruck der Wohnlichkeit ebenso bei wie moderne helle Büromöbel. Im großen Schaufenster hängt das Plakat mit dem Wahlspruch „Mer klevve am Levve“, dessen Motiv - ein roter Apfel - in der Dekoration mit lauter frischen Äpfeln aufgenommen wird.

Hemmungen abbauen, sich mit dem Thema Sterben und Tod auseinander zu setzen, ist das große Anliegen des Hospizvereins, auch Schwellenängste zu nehmen, einfach mal in das 30 Quadratmeter große neue Domizil einzutreten und sich zu informieren. „Wenn ich jemanden sehe, der die Schaufensterauslagen betrachtet, gehe ich vor die Tür und lade dazu ein, unser Faltblatt mitzunehmen oder sich sofort von mir informieren zu lassen“, erzählt die Hospizdienst-Koordinatorin Hildegard Wilkes. Sie arbeitet derzeit ihre Nachfolgerin Anja Kurth-Zieger ein, die 2009, wenn Hildegard Wilkes in den Ruhestand geht, die Aufgaben voll übernehmen wird.

Verstärkt Menschen erreichen!

Über die Aufstellung der Einsatzpläne für die 32 ehrenamtlichen Begleiter von schwer kranken und sterbenden Menschen hinaus ist der Hausbesuch die Hauptaufgabe einer Koordinatorin. Sie macht sich ein Bild, welcher Begleiter zu welcher Familie passt. Genauso dem Einzelnen und seinen Bedürfnissen zugewandt, geht es im Büro selbst zu. Deshalb steht dort ein runder Tisch zum Kaffeetrinken vor der Ecke mit dem Infomaterialständer, und Hildegard Wilkes erklärt warum: „Wenn man sich Menschen zuwenden will, kann man nicht hinter einem Computer sitzen bleiben.“

Vor allem möchte der Hospizverein über sein nun sehr sichtbares Büro verstärkt Menschen erreichen, die mitwirken wollen. Ein Prinzip beim Einsatz ist die flexible Abstimmung auf die Möglichkeiten der Helfer. Einmal im Jahr veranstaltet Hospiz Hürth gemeinsam mit dem Frechener Hospizverein einen Informations- und Vorbereitungskursus; der nächste beginnt am Dienstag, 12. August, um 20 Uhr in der Hürther Realschule mit einem Vortrag über die Hospizidee. Erst wenn sich danach ein Interessent entschieden hat, Sterbebegleiter zu werden, erfolgt die Schulung.