Post on 10 Dezember 2008

Palliativ-Netzwerk

Schmerzfrei zu Hause sterben

Von Ulrike Weinert, 10.12.08

Noch immer sterben Erhebungen zufolge über 80 Prozent der Menschen im Krankenhaus, obwohl von politischer Seite seit einigen Jahren angestrebt wird, dass sich dieses Verhältnis zugunsten des Sterbens in häuslicher Umgebung umkehrt.

Rhein-Erft - Das Verhältnis kann sich aber nur dann umkehren, wenn unheilbar kranke Patienten daheim bestmöglich versorgt sind. Organisationen wie das „Palliativ-Netzwerk südlicher Erftkreis“, das sich vor einem Jahr gründete, arbeiten daran, Sterbenden die Möglichkeit zu geben, die letzten Stunden daheim zu erleben. Doch das erfordert besonders bei Tumorpatienten neben der seelischen Begleitung durch Hospizdienste Versorgung durch Ärzte, die in der Schmerzlinderung ausgebildet sind.

 

Seit zweieinhalb Jahren besteht in schweren Fällen ein Rechtsanspruch auf spezielle ambulante Palliativversorgung. Doch bis heute fehlen dafür die vertraglichen Vereinbarungen mit den Krankenkassen, kritisiert das Palliativ-Netz, in dem sich Fachärzte, Hausärzte mit Zusatzausbildung, der ambulante palliative Pflegedienst der Caritas, ambulante Hospizdienste, die neue Palliativstation im Wesselinger Krankenhaus, das stationäre Hospiz „Haus Erftaue“ in Erftstadt und der Apotheker-Arbeitskreis in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zusammengeschlossen haben.

Das Netzwerk erreicht, sofern gewünscht, die 90 Prozent der unheilbar kranken Patienten, die Schmerzlinderung in der letzten Lebensphase brauchen, aber trotzdem in den eigenen vier Wänden versorgt werden können. Bei den übrigen zehn Prozent der Spezialfälle unter den Todkranken ist die ambulante Versorgung zum Ärger des Palliativ-Netzwerks noch nicht finanziell gedeckt ist. Das bedeutet letztlich, dass diese Menschen immer noch in Krankenhäusern sterben müssen.

Die Zusatzbezeichnung „südlicher Erftkreis“ für das Palliativ-Netz wirft zudem die Frage auf, warum es den Zusammenschluss nicht im gesamten Kreis gibt. Noch nicht: Denn die Organisation entstand aufgrund des freiwilligen Engagements der bisher Beteiligten. Voraussetzung für die Gründung war die Teilnahme von mindestens vier Hausärzten und zwei Krankenhaus-Palliativmedizinern an Vertragsabschlüssen mit den Krankenkassen.

Einsatzgebiete des Netzwerks sind auf Kreisgebiet die Städte Brühl, Erftstadt, Hürth und Wesseling. Zwar müssen Bewohner anderer kreisangehöriger Kommunen nicht befürchten, von der Möglichkeit, gut versorgt zu Hause sterben zu dürfen, ausgeschlossen zu sein. Doch bietet ein Netzwerk in der Regel den Vorteil, dass schneller, individueller und letztlich besser geholfen werden kann.

Für das Gebiet des bestehenden Netzes wurde ein Faltblatt entwickelt, das bei Ärzten, die sich der Idee der Vernetzung nicht verschließen, in Apotheken, in Hospizbüros und Krankenhäusern erhältlich ist. Es ist mit einer Adresse und Rufnummer bestempelt, so dass jederzeit jemand erreichbar ist, der sofort weiterhilft, und sei es am ersten Weihnachtstag um 23 Uhr nachts.