Post on 13 Januar 2013

kr logo

Hospizverein: Sterben gehört zum Leben

Von Andreas Engels

Kein Tabu ist der Tod für Ignaz Pley, Christine Faßbender, Ute Kronberg, Anja Kurth und Dieter Steves vom Hospizverein.Foto: Bernd Rosenbaum

Hürth -

Der Tod gehört zum Leben – unter dieser Leitidee begleitet der Hospizverein seit 15 Jahren schwer kranke Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Lebenswegs, unterstützt pflegende Angehörige und hilft Hinterbliebenen bei der Trauerbewältigung.

Als der Verein am 28. Januar 1998 in der Bücherei der Martin-Luther-King-Kirche in Hürth-Mitte gegründet wurde, hätten sich viele unter dem Begriff Hospiz kaum etwas vorstellen können, erinnert sich Dieter Steves, evangelischer Pfarrer im Ruhestand und seit 2004 Vorsitzender des Vereins. Eine wichtige Aufgabe sei deshalb gewesen, den Verein und sein Wirken überhaupt bekannt zu machen. „Wir wollen, dass sich jeder etwas unter Hospiz vorstellen kann“, betont Steves.

Dabei setzt der Verein schon in der Grundschule an. Zweimal im Jahr beschäftigen sich Viertklässler eine Woche lang mit dem Thema Krankheit und Sterben, ehrenamtliche Hospizmitarbeiter begleiten die Lehrer. Künftig soll das Projekt „Hospiz macht Schule“ auch auf die weiterführenden Schulen ausgedehnt werden. Nicht zuletzt, weiß der zweite Vorsitzende Ignaz Pley, werde das Tabuthema damit zum Gesprächsinhalt in den Familien.

Zeit ist das wichtigste Geschenk

Hauptaufgabe des Hospizvereins ist aber die Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden – in ihrem häuslichen Umfeld. „80 Prozent der Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben“, berichtet Anja Kurth, hauptamtliche Koordinatorin und Trauerbegleiterin. Der Hospizverein versucht, das möglich zu machen und so viel wie möglich an Lebensqualität auch auf der letzten Wegstrecke zu erhalten.

35 ehrenamtliche Mitarbeiter, die dafür speziell ausgebildet sind, besuchen die Patienten, führen Gespräche, spielen und lesen mit ihnen oder gehen mit ihnen spazieren. Im vergangenen Jahr hat der Verein 36 Frauen und Männer in ihrer letzten Lebensphase begleitet. „Oft werden auch letzte Wünsche erfüllt“, berichtet Ignaz Pley. So hat Christine Faßbender, seit sechs Jahren Sterbebegleiterin, einem todkranken Menschen vor Weihnachten noch einmal seine Winterlandschaft aus Modellhäusern aufgebaut. „Dafür haben die Angehörigen mit all ihren Belastungen nun wirklich keine Zeit“, weiß sie.

Zeit, das sei das wichtigste Geschenk, das sie den Sterbenden machen könne, betont auch Ute Kronberg, die seit 2006 im Hospizverein aktiv ist. „Mir geht es gut, und ich will davon etwas weitergeben“, so erklärt sie ihre Motivation.

Obwohl die Gründer des Hospizvereins und viele Helfer aus den beiden großen Kirchen kommen, arbeitet der Verein überkonfessionell. „Es muss sich keiner Sorgen machen, in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden“, betont Ignaz Pley. Für die Betreuten ist die Hilfe kostenlos. Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden und den Beiträgen der aktuell 186 Mitglieder.

Kostenlos sind auch die Angebote in der Trauerbegleitung, dazu zählt der monatliche offene Trauertreff, eine Trauergesprächsreihe an zehn Abenden jeweils im Herbst und ein Sonntagsfrühstück für Trauernde einmal im Monat. Termine und weitere Informationen sind im Hospizbüro an der Weierstraße 41a in Alt-Hürth erhältlich, Telefon (0 22 33) 9 85 89 30.

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/5240032 ©2017