Post on 23 März 2016

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Sterbebegleitung Hospiz zieht ins Zentrum

Von Andreas Engels

In den neuen Räumen richten sich die Koordinatoren Anja Kurth und Christiane Schattmann-Arenz, Sterbebegleiterin Ute Kronberg und der zweite Vorsitzende Ignaz Pley (v.l.) ein.

 Hürth-Hermülheim -

Der Tod gehört zum Leben – und der Hospiz-Verein deshalb mitten in die Stadt. „Wir wollen präsent sein“, so erklärt der zweite Vorsitzende Ignaz Pley, warum die Sterbebegleiter und Trauerhelfer Räume für ihre Geschäftsstelle in zentraler Lage gesucht und schließlich in der Luxemburger Straße 358 in Hermülheim gefunden haben. Zwar sind es oft Krankenhäuser oder niedergelassene Ärzte, die den Kontakt zum Hospiz-Verein vermitteln; Anja Kurth, eine der beiden hauptberuflichen Koordinatorinnen, weiß aber auch von Passanten zu berichten, die vor dem Schaufenster stehen bleiben und dann hereinkommen.

Die meiste Zeit ihres ehrenamtlichen Einsatzes leisten die Sterbebegleiter vor Ort in der Wohnung ihrer todkranken Patienten. „Wir sind ambulant aufgestellt und wollen das Sterben zu Hause ermöglichen“, berichtet Pley. Das Motto: „Wir sind das Hospiz, das ins Haus kommt.“ Doch immer wieder braucht der Verein auch Räume, in denen Gesprächskreise und Schulungen, aber auch Beratungs- und Informationsgespräche stattfinden können. Nach der Gründung im Jahr 1998 war der Hospiz-Verein, der seinerzeit von 50 Mitglieder aus der Taufe gehoben worden war, zunächst unterm Dach des Pfarrhauses in Fischenich untergebracht. „Da hat sich kaum jemand hin verlaufen“, erinnert sich der Vize-Vorsitzende Pley schmunzelnd.

Zum zehnjährigen Bestehen bezog der Verein dann eigene Räume an der Weierstraße in Alt-Hürth. Doch in dem nur 30 Quadratmeter großen Ladenlokal war es eng, es gab nur einen Raum, größere Gruppen konnten sich dort nicht treffen.

Dem Tod gelassen entgegensehen

In der neuen Geschäftsstelle, ebenfalls in einem Ladenlokal, ist nun doppelt so viel Platz. Anders als in Alt-Hürth sind die Räume in Hermülheim barrierefrei zu erreichen. „Wir haben jetzt auch einen Raum, bei dem man für ein Beratungsgespräch auch mal die Tür hinter sich schließen kann“, erklärt Koordinatorin Anja Kurth.

Die Geschäftsstelle soll aber nicht nur Anlaufstelle für Patienten, Angehörige und Trauernde sein, sondern auch für Menschen, die sich selbst in der Hospizbewegung engagieren wollen – entweder passiv als Vereinsmitglied oder aktiv als Sterbebegleiter.

53 ausgebildete Sterbebegleiter sind derzeit mit unterschiedlichem Zeiteinsatz ehrenamtlich im Besuchsdienst des Hürther Hospiz-Vereins aktiv. Ute Kronberg gehört dazu. „Ich habe 40 Jahre in einer Apotheke gearbeitet und hatte dort viel mit Kranken zu tun“, berichtet sie. Inzwischen begleitet sie seit acht Jahren Menschen in ihrer letzen Lebensphase.

Die Sterbebegleitung ist dabei sehr individuell. Die Hospiz-Mitarbeiter lesen mit den Patienten oder gehen mit ihnen spazieren, spielen Schach oder sind einfach nur da.

Ute Kronberg hat eine ältere Dame begleitet, die auf dem Sterbebett angefangen hat zu malen und ihr Leben in Bildern aufzuarbeiten – „Bis sie bereit war zu gehen.“ Nicht zuletzt bedeute die Sterbebegleitung aber auch eine Entlastung für die Angehörigen.

Den Umgang mit Sterbenden empfinden Sterbebegleiteter wie Ute Kronberg auch als Bereicherung für ihr eigenes Leben. „Ich sehe meinem eigenen Tod inzwischen gelassener entgegen“, sagt die Ehrenamtlerin.

– Quelle: http://www.ksta.de/23581178 ©2017