Post on 06 März 2014

Die Apothekenzeitung der AOK Rheinland / Hamburg

Ausgabe 1   Januar/Februar 2014

 

 LachenEhrenamtlerin Ursula Schoeter besucht
eine 100-jährige Patientin, die froh ist über den Besuch 
 
Hospiz-Vereine
Für Begleitung und Beistand bis zuletzt. Seit dem Jahr 1998 gibt es den Hospiz-Verein auch in Hürth, nachdem schon sechs Vereine in anderen Gemeinden des Kreises existierten.
Den Anfang machte Frechen 1993, Wesseling kam im Jahr 2000 hinzu. Weitere gibt es in Pulheim, Brühl, Bedburg, Kerpen und Erftstadt.
Geführt werden die einzelnen Vereine von ehrenamtlichen
Vorständen. Sie arbeiten mit der Katholischen Familienbildungsstätte, dem Anton-Heinen-Haus, dem Katholischen Bildungswerk Rhein-Erft-Kreis und dem Diözesan- Caritasverband für das Bistum Köln zusammen. Die Hospiz-Vereine sind überkonfessionell und richten sich an Menschen, die Hilfe benötigen.

Der Wunsch, zu Hause zu sterben

Hürth | Dank der ambulanten Hospiz-Vereine ist es den Menschen im Rhein-Erft-

Kreis möglich, bis zuletzt in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

 
 
Anja Kurth
Anja Kurth hat durch ihre Tätigkeit gelernt, im Alltag manche Dinge gelassener zu sehen.
 
 
 
Hospiz Hürth e. V.
Weierstraße 41 a, 50354 Hürth
02233 9858930
Fotos: Moritz E. Trebin
 
Es ist nicht einfach, zu Lebzeiten über den Tod nachzudenken. Doch zahlreiche Befragungen von vielen unterschiedlichen Menschen jeden Alters haben ergeben, dass die meisten von ihnen nicht in einer sterilen Klinik sterben möchten.
 
Im Rhein-Erft-Kreis übernehmen acht Vereine die Betreuung Todkranker zu Hause. „Anfang der 1990er Jahre fing es in Frechen an, und seit 1998 haben wir eine Anlaufstelle auch in Hürth. Zuletzt kam der Verein in Wesseling dazu", sagt Anja Kurth vom Hospiz-Verein Hürth.
 
Nötige Entlastung für die betreuenden Angehörigen
 
Die Büros sind Anlaufstellen für Betroffene, Angehörige oder ehrenamtliche Mitarbeiter. „Neulich rief eine völlig aufgelöste Frau an. Ihr Vater war aus der Klinik zum Sterben entlassen worden, könne aber laut Aussage der Ärzte nicht ohne Pflege auskommen", sagt Kurth. In solchen Fällen können die einzelnen Vereine sofort reagieren und Hilfe bei einem Pflegedienst organisieren. Steltener rufen nach Angaben Kurths die Erkrankten selber an. „Eine ältere Dame sorgte sich um ihren Hund. Was aus ihm wird, wenn sie selber nicht mehr vor die Tür käme, war eine Frage, die sie nicht in Ruhe ließ. Auch dafür sorgen wir nach Möglichkeit", sagt Kurth, deren Leben sich durch die Hospiz-Arbeit sehr verändert hat. „Zum Positiven", sagt sie und lacht. Die Arbeit mit Todkranken sei nicht immer nur traurig.
Man könne dadurch sehr viel für sein eigenes Leben mitnehmen, bewusster leben oder sich nicht immer über Kleinigkeiten wie nicht aufgeräumte Kinderzimmer aufregen. „Es gibt Wichtigeres im Leben", sagt die Koordinatorin und wirkt dabei für einen Augenblick nachdenklich.
 
Schwer fallen ihr Kontaktaufnahmen, bei denen es sich noch um relativ junge Menschen handelt. Alleinerziehende Mütter, die sich um die Zukunft ihrer Kinder nach ihrem Tod sorgen. Auch bei betroffenen Kindern ergreife sie das Schicksal mehr. „Das nehme ich gedanklich dann mit nach Hause. Das kann ich nicht", sagt sie. Es gebe aber immer einen Kollegen, der das könne.
 
Nach einer telefonischen oder persönlichen Erstkontaktaufnahme schauen die Koordinatorinnen der ambulanten Hospiz-Dienste, was bei den Familien zu Hause benötigt
wird. Müssen Hilfsmittel besorgt werden, wie häufig muss ein Pflegedienst vorbeischauen und sind Besuche der Ehrenamtlichen gewünscht? Letztere entlasten sehr häufig die Angehörigen. Sie gehen je nach Erkrankungsstadium mit den Patienten spazieren. So haben die Angehörigen eine kurze Zeit für sich oder können einkaufen gehen. „Einige trauen sich kaum noch aus dem Haus. Aus Angst der Mann oder die Ehefrau könnte in dieser Zeit sterben", sagt Kurth. Manchmal lesen die Ehrenamtler auch vor oder spielen mit den Patienten. „Es gibt aber auch Phasen, in denen es ausreicht still am Bett des Erkrankten zu sitzen und seine Hand zu halten", sagt Kurth. Auch um die Angehörigen kümmern sich die Helfer. Vor allem wenn Gesprächsbedarf besteht. „Es ist für alle Beteiligten nicht einfach, jemanden der sterben wird, zu Hause zu pflegen", sagt Kurth.
 
Auch die Schüler lernen, mit dem Tod umzugehen
 
Eine weitere Aufgabe der ehrenamtlichen Arbeit ist es, den letzten Wunsch zu erfüllen. Das kann das Kochen eines Lieblingsgerichts sein, aber auch ein Spaziergang an der frischen Luft. „Es sind oft kleine Dinge, die sich die Erkrankten wünschen." Für ihre Tätigkeit werden die Ehrenamtlichen zuvor ausgebildet. Dabei lernen sie eine zugewandte Gesprächsführung am Sterbebett, auch die Trauerbegleitung gehört zum Ausbildungsprogramm.
 
Abseits der Sterbegleitung bieten die ambulanten Hospiz-Dienste auch Trauergesprächskreise für unterschiedliche Altersgruppen an. „Wir schauen, dass wir für ältere Menschen eine andere Gruppe anbieten als für jemanden, der in der Mitte des Lebens steht und seinen Partner verloren hat", sagt die Koordinatorin.
 
Um den Tod wieder stärker ins Leben zu rücken, sind die Hospiz-Vereine in Hürth und Brühl auch in Schulen aktiv. „Unser Projekt Hospiz macht Schule wird begeistert von zwei Teams ehrenamtlicher Mitarbeiter betreut", sagt Kurth. „Es gibt viele Kinder, die haben bereits Erfahrungen mit dem Tod gesammelt. Oft sind es die Großeltern, die verstorben sind", fügt sie hinzu.
Das Projekt läuft in Grundschulen und in den Jahrgangsstufen neun und zehn an weiterführenden Schulen. Im Zuge dessen werden Friedhöfe besucht, aber auch Bestatter öffnen ihre Räumlichkeiten.