Post on 03 Oktober 2013

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 BUCHPROJEKT      „Das Sterben nicht ausklammern"

Das Sterben nicht ausklammernVon Frank Klemmer

Mehrere Hospizvereine planen kreisweit ein Buchprojekt gemeinsam mit elf Schulen im Kreis.
Dabei sollen sich Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf mit dem Thema "Sterben und Tod" auseinandersetzen und dazu Texte für das Buch schreiben.
„Bewusst leben – menschenwürdig sterben": Das ist der Titel eines kreisweiten Projektes, das die Hospizvereine gemeinsam mit elf weiterführenden Schulen in Hürth, Pulheim, Bergheim, Erftstadt und Wesseling durchführen.
Sieben Wochen lang sollen sich Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf mit dem Thema „Sterben und Tod" auseinandersetzen – und Texte darüber schreiben.
 
Ein Buch mit Bildern und Texten von Schülern will Gerd Felder (l.) auch für die Hospizvereine im Kreis herausgeben. Egbert Kohler, Bruno Kramer, Ignaz Pley (v.l.) sind begeistert von der Idee.
„Sie können Bestatter befragen, Kripo-Beamte, Seelsorger und Pfleger, Ärzte und Psychologen", erzählt Gerd Felder. Der 56-jährige Journalist aus Münster betreut die Arbeit der Lehrer und Schüler gemeinsam mit seinem Team. Später sammelt Felder die Texte der Schüler und fügt sie zu einem Buch zusammen.
Bereits sechsmal hat Felder solche Buchprojekte in den vergangenen Jahren betreut. „Anfangs dachte ich, es bleibt bei einem Buch", bekennt der Journalist. Nicht nur er selbst, sondern auch die Lehrer seien oft überrascht vom Ergebnis. „Da gab es zum Beispiel einen Schüler, der ein Gedicht über den Tod seines Opas verfasst hat", erinnert sich Felder. „Keiner seiner Lehrer hatte ihm so einen Text zugetraut."
Finanziert wird das Projekt von der Frechener C.L. Grosspeter-Stiftung, nur die Druckkosten müssen die Hospizvereine tragen. Die Schirmherrschaft hat der ehemalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers übernommen.
Es gehe darum, dass Jugendliche unbefangener mit dem Tod umgehen, erklärt Ignaz Pley vom Verein „Hospiz in Hürth". „Auch Jugendliche sollten das Sterben nicht ausklammern. Es darf kein Tabu sein", sagt Pley. Manchmal seien selbst erwachsene Lehrer sprachlos – wie im April, als fünf Schüler eines Gymnasiums in einen Verkehrsunfall verwickelt wurden, bei dem ein Mädchen starb.
„Die Schule ist jetzt auch bei dem Projekt dabei", erzählt Pley. Unabhängig von dem neuen Projekt suchen die Hospizvereine schon jetzt Kontakt zu jungen Menschen. „In Hürth gehen wir zum Beispiel im Rahmen von ,Hospiz macht Schule' in die vierten
Klassen der Grundschulen", erzählt Pley.
In Bergheim, fügt Egbert Kohler, gibt es seit einigen Jahren einen betreuten Internet-Chat, wo Jugendliche das Gespräch suchen können – und das auch nutzen. „Wir haben mit zwei Betreuern begonnen – jetzt brauchen wir schon vier, um die ganzen Gespräche zu bewältigen", erklärt Kohler.
Dass ein Buch im Internet-Zeitalter vielleicht das falsche Medium sein könnte, glauben allerdings weder die Vereine noch Felder. „Das Gegenteil ist der Fall", berichtet der Journalist. „Trotz Internetgeneration: Ein Buch bleibt. Die Schüler sind ganz stolz, daran mitzuarbeiten."